Fiete Furchtsam fürchtet sich fürchterlich (Teil 1)

“Nein!! Lasst mich! Ich habe mich nicht verrechnet! Die Steuerschulden stimmen! Da kann ich nichts dran schrauben! Nein, Hilfe!! Dafür werdet ihr ins Gefängnis kommen ihr Halunken! Neeeeiiinnn!” Platsch….

Huch, wo bin ich? War das nur ein Albtraum?

Nein, es ist kein Traum, diese hinterhältigen Mafiosi haben mich tatsächlich von der Yacht geworfen!

Hilfe! Hört mich denn niemand?

Ich habe doch nur die Bücher kontrolliert! Was kann ich dafür, wenn die Steuerschulden von Herr Ali Caponi in die Millionenhöhe gehen? Zahlen lügen nicht! Es ist schliesslich meine Pflicht, dies zu melden. Dafür bin ich lizenzierter, studierter Buchhalter, damit alles mit rechten Dingen zugeht.

Ja und nun stehe ich hier. Mein Handy funktioniert nicht mehr, ich schwitze, und ich hasse Schweiss, Sand und jegliches Ungeziefer sowieso

Dann kommt noch dazu, dass mein Bauch fürchterlich knurrt. Mich gelüstet nach meinem Lunchpaket. Mist, das ist auch weg. Freitags habe ich immer ein vorzügliches Hüttenkäse-Sellerie-Schnittlauch-Brötchen mit zur Arbeit

Oh, was sehe ich denn da? Hier liegt ja ganz nützliche Dinge rum. Ich könnte eine Feuerstelle bauen. Ich müsste die Statik und den Materialverbrauch berechnen…

Im Geiste notiere ich: 26,5 Kilogramm Steine, 215 Grad Hitze, Wind 6.5 von Süd-Ost, macht, ähm, ja, Holz brauche ich auch…

 

Mit einem Dolch verkleinere ich diese herumliegenden Kisten

Ganz in Gedanken versunken steche ich auf das Holz ein, bis ich aus dem Unterholz ein grauenhaft furchteinflössendes Geräusch vernehme

Ein mittellautes Piepen, es könnte ein Vogel sein, aber man weiss es nicht genau. Unheimlich! Richtig unheimlich! Habe ich schon erwähnt, dass ich jegliches Krabbeltier hasse?

Ich nehme mich zusammen und fange an Sand zu schütten, an der, zuvor berechneten, perfekten Stelle

Ich schleppe Steine, grabe, schwitze und schwitze

und bin schlussendlich aber sehr zufrieden mit meiner Leistung als Feuerstellen-Bauer. Die Berechnungen waren korrekt

Ich zünde sogleich ein munteres Feuer an und lege Zweig um Zweig dazu. Meinen Hunger stillt das nun aber ja nicht. Von Holz kann der menschliche Magen erwiesenermassen nicht leben

Ich finde glücklicherweise in meiner Hosentasche eine Angel und beschliesse mein Glück als Angler zu versuchen. Mit mässigem Erfolg leider. Fische beissen keine an. Allerdings muss ich zugeben, dass ich auch wahrlich das falsche Angler-Outfit trage. Die Fische fürchten sich offensichtlich und nehmen Reiss aus vor mir

Ich beschliesse mein vorübergehendes Zuhause genauer zu inspizieren. Ich bräuchte passende Kleidung, bestenfalls eine Outdoor-Ausrüstung, mit Sicherheitsweste und imprägniert gegen Ungeziefer. Vielleicht finde ich eine Garderobe, wo ich mich vor heimlichen Blicken versteckt umziehen kann? Hm, nicht ganz, was ich mir vorgestellt habe, aber da lässt sich was daraus machen notfalls

Ich sichte ein Bild, ein Huhn, ein Aquarium, einen Zwerg…

Topfpflanzen, ein Töpfchen und HA! Eine Badehose! Nicht ganz sicherheitstauglich, und wenig verhüllend gegen Insekten, aber immerhin der örtlichen Begebenheit angepasst

Ich versuche erfolglos zu verdrängen, wer wohl vor mir in dieser Badehose gesteckt hat. In Gedanken berechne ich kurz ob der Bau einer Waschmaschine möglich wäre.Ich fühle mich zu tiefst unwohl, so leicht bekleidet

Aber da holt mich der Hunger wieder ein und mein ursprünglicher Plan, einen Fisch zu fangen

Unterwegs zum Strand schiesst plötzlich ein stechender Schmerz durch meinen grossen Zeh. Autsch! War das ein Krebs? Hilfe, wurde ich gebissen? Ich sterbe bestimmt! Ah, nein, es war nur eine Flasche. Unglaublich, was die Leute alles liegenlassen. Da ich ein sehr ordnungsliebender Buchhalter bin, lese ich auf, was ich finde. 

Aber zurück zu meinem eigentlichen Plan, angeln. In Badehose angelt es sich schon viel leichter, muss ich zugeben

Und tatsächlich fange ich ein kleines, stinkendes Etwas, was sich allenfalls Fisch nennen könnte. Ich versuche mir jedoch vorzustellen, es wäre ein köstlicher Hotdog, den ich auf wundersame Weise aus meiner Badehose gezaubert hätte

Diese Anglerei, die tropische Hitze und der Hunger machen mich müde

Bibbbber… Wieder dieses Geräusch, ich brauche ein abschliessbares Schlafzimmer mit Moskitonetz und Mückenspray, gaaanz viel Mückenspray!

Da das erträumte Schlafzimmer leider auf die Schnelle nicht umsetzbar ist, lege ich mich auf ein Laken, in dieses alte Schiffswrack. Wenigstens kann so nichts furchteinflössendes von oben herab kommen

Dachte ich, aber ich irrte mich gewaltig! Kaum eingeschlafen, kitzelt mich etwas. Erst träume ich, meine Buchhalter-Schreibfeder erhöbe sich in die Lüfte und kitzle mich am ganzen Körper, aber schnell realisiere ich, dass das kein Traum, eher ein Albtraum ist!

Meine schlimmste Phobie wurde in monsterhaften Gestalt dieser ekelerregenden Riesenspinne Wirklichkeit!

Ich renne um mein Leben! Wild zucke ich mit den Armen und versuche dieses Biest abzuschütteln!

Kaum hat sich das Monster ins Unterholz zurückgezogen, kommt das nächste Problem auf mich zu! Meine empfindlichen Magennerven reagieren prompt auf den Monster-Angriff und ich stürze blindlings auf dieses Klo-artige Ding. Mich schüttelt es vor Ekel! Normalerweise benutze ich ein japanisches Dusch-WC, Feuchttücher und 5-lagiges, nach Kamille duftendes Toilettenpapier, nicht ein solches… Sand(Dreck)loch?

Aber wenn die Natur ruft, darf man nicht zimperlich sein. Ich hoffe, mich hat niemand beobachtet. Duftspray für danach gibt’s hier auch nicht. Meine Nerven…

Und was ist das jetzt wieder? Wieder dieses hohe Piepen! Ich möchte gar nicht wissen, was für grauenhafte Kreaturen im Unterholz lauern und nur warten, bis ich mich umdrehe oder gar schlafe

Ich muss mir dringend eine Unterkunft bauen. So geht das nicht weiter, so mache ich ja kein Auge zu!

Ich durchsuche ein weiteres Mal die angeschwemmten Dinge

und finde eine Tasche. Ist hier vielleicht Mückenspray drin?

Ich traue meinen Augen nicht und der Wahnsinn scheint mich zu packen. Sei es der Sonnenstich oder ein Spinnenstich, der ganze Koffer ist voller Geld! Das muss Ali Caponis Tasche sein! Mafia-Geld! Meine Nerven liegen blank. Was soll ich mit all dem Geld? Mückenspray hätte ich gebraucht! Wie von Sinnen pulvere ich das ganze Geld irr lachend in die Luft!

Ich suche weiter und neben einer leider mittlerweile leeren Keksdose finde ich ein Buch

Ein Buch! Sofort spüre ich das vertraute Papier zwischen meinen Händen. Ich lese den Titel: Wie leite ich erfolgreich einen Imbiss” Einen Imbiss? Äh, wirklich? Kein Survivalbuch? Angelhilfe, Insektenbestimmungsbuch? Nein, ein Buch über Imbissbuden? Erst droht mich die Verzweiflung zu übermannen,

aber je weiter ich lese, desto klarer steigt eine wunderbare, zugegebenermassen eher momentan utopische Idee in mir auf!

Ich, Fiete Furchtsam, werde mein Schicksal in die Hand nehmen und aus diesem Trümmerhaufen den bestbesuchtesten Imbiss bauen. Die Leute (welche genau ist noch unklar) werden in Scharen kommen (woher genau ist noch unklar) und meine Delikatessen (wie gekocht ist noch unklar) kosten

Der Sonnenstich fordert jedoch allmählich seinen Tribut und unterbricht meine wirren Gedanken. Ich wage vor Angst zitternd erneut einen Schlafversuch

Ich schleppe noch ein paar Möbel und Dekorationen her um dem Ungeziefer zu signalisieren: Halt! Dies ist ein Schlafzimmer, du bleibst draussen! Und kurz vor den ersten Sonnenstrahlen falle ich in einen nicht erholsamen und leider nicht traumlosen Schlaf…

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